Text: Oktober 2014
Kerstin Taubenheim (Grün und Glücklich UG)

Zum Glück erziehen? - Glück als Erziehungsziel!


Glück als Entwicklungsmotor

Glück ist das Erziehungsziel von Eltern und für das Kind der Motor der Entwicklung.

Trotzdem sind Glück und Freude bzw. positive Emotionen in unserer Gesellschaft eher rückläufig. Im Gegenteil steigen die Zahlen der Menschen, die in Deutschland an psychi-schen Erkrankungen, wie Depressionen oder Angsterkrankungen leiden, stetig an. Nicht zuletzt daraus resultierend, dass im frühen Kindesalter ungünstige Strukturen im Gehirn und Körper des Kindes angelegt wurden. Das Ausmaß dieser ungünstigen Strukturen zeigen sich manchmal erst Jahre später. Die WHO geht davon aus, dass in den Industrieländern Depressionen und Angsterkrankungen in 20 Jahren die Krankheiten sein werden, an denen die meisten Menschen leiden werden. Der Zusammenhang zwischen negativen Gedanken, bzw. negativen Empfindungen und Depressionserkrankungen sind allgemein bekannt. Bekannt ist auch, dass das Empfinden von Glück und Freude zu einer stabilen Gesundheit beiträgt. Nicht nur das Immunsystem wird gestärkt, auch ein tiefer Atem, eine gesunde Herz-Kreislauffrequenz, gute kardeovaskuläre Werte und die Genesung von leichten und mittleren Depressionen sind eine Folge von Glücksempfinden. Lawrence Le Shan, ein Psychologe aus den USA, hat sogar eine „Psychotherapie gegen den Krebs“ entwickelt, in der er ausschließlich am Glücksempfinden der Patienten arbeitet. Die Erfolge sprechen für sich. Auch ein längeres Leben wurde wissenschaftlich nachgewiesen bei Menschen, die täglich wiederkehrend glückliche Gedanken haben.


Glück als Erziehungsziel

Kinder lachen in der Regel bis zu 400 Mal, Erwachsene dagegen rund 15 Mal am Tag. Doch auch die Erwachsenen, die wenig lachen, waren einmal frohe Kinder, die durch ihre Erziehung im eigenen Glück beschränkt wurden, sodass sie verlernt haben positive Empfindungen zuzulassen. Erziehung wird auch heute noch in vielen Fällen mit Beschränkung gleichgesetzt wird. Erkenntnisse aus der Gehirnforschung und der Medizin zeigen deutlich, wann Kinder sich geistig und körperlich optimal entwickeln. Glück spielt dabei eine entscheidende Rolle und ist der Entwicklungsmotor eines Menschen. Weiter sind eigene Werte der Erziehungsperson wichtig, an denen sich das Kind orientieren kann, denn Kinder lernen am Modell.

Gerade die ersten Lebensjahre entscheiden darüber, wie glücksfähig und gesund der Mensch im Erwachsenenalter ist.

Aufgrund dieser Erkenntnisse ist es nötig die Kindererziehung, wie sie bisher in unserer Gesellschaft erfolgt, zu hinterfragen. Das Glück erlernt werden kann ist allgemein bekannt und in der Gehirnforschung begründet.

Die Glücksfähigkeit von Kindern zu beschneiden ist einfach. Ein ständiges „Du kannst das nicht!“, „Klettere nicht so hoch, das ist gefährlich!“, „Was glaubst Du, wer Du bist?“. Die Denk- und Erziehungsmuster, die wir unseren Kindern angedeihen lassen, sind wiederum von unseren Eltern geprägt. Hier gilt es aus den eigenen Denk- und Verhaltensmustern auszubrechen.


Glückspädagogik als alternativer Erziehungtsstil

Doch wie kann das gelingen? Ein alternativer Erziehungsstil ist hier die Glückspädagogik, die auf Erkenntnissen der Glückswissenschaft, der positiven Psychologie, der Medizin, der Neurologie, der Philosophie und den Erziehungswissenschaften beruht. Glückspädagogik fördert die Glücksfähigkeit von Erziehern und Kindern. Studien zeigen was die meisten Menschen garantiert glücklich macht. Diese Methoden werden in glückspädagogisch ausgerichteten Kitas rituell eingeführt. So übt das Kind automatisch glücksbringende Verhaltensweisen ein. Um Glück ganzheitlich in die Kita einzuführen ist es auch wichtig, die Erzieher glücklich zu machen, denn Kinder lernen am Modell. Sind die Erzieher glücklich, so kann sich das Kind glücksbringende Verhaltensweisen abgucken und nachahmen. Außerdem ist ein glücklicher Erzieher gelassener, kreativer, entspannter, hilfsbereiter, friedfertiger und versöhnlicher. Die Problemlösungskompetenz steigt enorm an, der Erzieher ruht auch in stressigen Phasen des Alltags in sich.

Glück gilt wissenschaftlich als der Entwicklungsmotor. Kinder, die begeistert sind, lachen und Spaß haben, lernen deutlich schneller und effizienter. Die Gehirnstrukturen sind gesünder, Körper und Gehirn entwickeln sich optimal und sogar eine Auswirkung auf das Wachstum wurde bei glücklichen Kindern gezeigt.


Glücksmomente im Kind fördern

Das Wissen darüber, wie Glücksmomente im Kind gefördert werden können, sollte daher allen Eltern zugänglich sein, um den ureigenen Erziehungsstil mit glücksförderlichen Verhalten bereichern zu können. Ebenso sollte in jeder Kita das Wissen um die Wichtigkeit von Glücksempfinden vorhanden sein und die Glückspädagogik in Anwendung kommen.

Kinder, die glückspädagogisch betreut werden, werden glückliche, kreative, problemlösungskompetente Erwachsene, die deutlich mehr Lachen als das statistische Mittel heute. Automatisch greifen sie im Erwachsenenalter auf die Ressource Glück zu. Körper, Geist und Seele befinden sich in Balance. Die Gesundheit profitiert in hohem Maße: Krisen können besser bewältigt werden. Körperlichen und psychischen Erkrankungen wird vorgebeugt. Der jedoch wichtigste Punkt ist, dass die glücklichen Kinder ihre eigenen Kinder -weitgehend unbewusst- glücksförderlich erziehen. In Zukunft werden viel mehr Menschen im Alltag -mit ihren Kindern- lachen! Dies wird auf die Gesellschaft erheblichen positiven Einfluss haben. Offenheit, Fröhlichkeit, Herzlichkeit, Hilfsbereitschaft und Friedfertigkeit ziehen in die Gesellschaft ein.



Zu der Autorin:

Frau Taubenheim ist als Diplompädagogin und Glücksexpertin gemeinsam mit Frau Caroline Parthier (Naturpädagogin und Dipl. Kulturarbeiterin) Inhaberin des Unternehmens „Grün und Glücklich UG“ in Berlin und bietet Seminare für Erzieher/innen zum Thema Glückspädagogik an.

Kerstin Taubenheim u. Caroline Parthier
Czarnikauer Str. 4a,
10439 Berlin
tel.: 030- 303 6623 00
Web: www.gruenundgluecklich.de
taubenheim@gruenundgluecklich.de"



Aufgenommen: 21.12.2014