Text: 27. 06.14
Prof. Dr. Susanne Viernickel, Alice Salomon Hochschule Berlin

Studie 'Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung in der Freien Hansestadt Hamburg'


Die Rahmenbedingungen in Hamburgs Krippen sind inakzeptabel

Die Rahmenbedingungen in Hamburgs Krippen führen zu einer Überlastung der Fachkräfte. Das ist das Ergebnis der Studie "Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung in der Freien Hansestadt Hamburg“, die die Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Hamburg e.V. (AGFW) heute vorgestellt hat. In reinen Krippengruppen ist in Hamburg eine Fachkraft für durchschnittlich 5,7 Babys und Kleinstkinder verantwortlich. Dabei sind Urlaub, Krankheit oder Fortbildung nicht berücksichtigt.

Auf Dauer sind rund 4.000 weitere Fachkräfte nötig

Die Studie gibt zehn Empfehlungen für eine bessere Praxis. Um diese zu erreichen, seien auf Dauer rund 4.000 weitere Fachkräfte nötig. Die Autorin der Studie, Prof. Dr. Susanne Viernickel von der Alice Salomon Hochschule Berlin, fordert unter anderem, dass künftig Ausfallzeiten, Zeit für mittelbare pädagogische Arbeit und mehr Zeit für die Integration von Kindern mit Behinderung bei der Personalplanung berücksichtigt werden sollten. Wichtig sei es auch, die nach wie vor bestehenden Probleme beim Übergang vom Kindergarten in die Grundschule anzugehen. Grundsätzlich positiv bewertet die Studie das Niveau des Qualitätsmanagements in den Kitas der Wohlfahrtsverbände.

Der Personalschlüssel für Kinder im Krippenbereich ist zu niedrig

Prof. Dr. Susanne Viernickel hat die Arbeitssituation der Erzieherinnen und Erzieher in den Hamburger Kitas, die Rahmenbedingungen und die Qualität der Erziehung und Betreuung in den Kitas der Hamburger Wohlfahrtsverbände untersucht. Außerdem hat ihr Team die Frage gestellt, in welchem Maß die Hamburger Bildungsempfehlungen berücksichtigt werden. Das wichtigstes Ergebnis: Der Personalschlüssel für Kinder im Krippenbereich ist deutlich zu niedrig.“

Die Rahmenbedingungen für die Hamburger Kitas sind im Krippenbereich zweitklassig

Jens Stappenbeck, Geschäftsführer der AGFW, forderte von der Politik: „Die Rahmenbedingungen für die Hamburger Kitas sind im Krippenbereich höchstens zweitklassig. Das Betreuungsniveau der Krippenkinder wird nur durch den großen Einsatz der Mitarbeitenden in den Kitas gesichert. Wir brauchen rund 4.000 weitere Fachkräfte, um die Bildungsempfehlungen wirklich umsetzen zu können und damit die Qualität vor Ort zu steigern.“

Die wachsende Belastung der Erzieherinnen und Erzieher muss gestoppt werden

Gabi Brasch, Vorsitzende des Fachausschusses Jugendhilfe der AGFW, ergänzte: „Natürlich ist auch uns klar, dass wir dieses Niveau nur schrittweise aufbauen können. Aber wir müssen jetzt damit anfangen, um die wachsende Belastung der Erzieherinnen und Erzieher zu stoppen.“

Hintergrund

In Hamburg gibt es über 61.000 Kitaplätze (Stand 2013) in mehr als 1.000 Kitas, davon gehören jeweils über die Hälfte zu den Hamburger Wohlfahrtsverbänden. Sie stellen zusammen mit den Elbkinder-Kitas und SOAL über 80 Prozent der Kitas und der Plätze. Die übrigen Kitas werden privat betrieben, unter anderem von Elterninitiativen und privat-gewerblichen Träger. Hamburg liegt im Krippenbereich beim Personalschlüssel "Fachkraft-Kind" im Vergleich der westdeutschen Bundesländer an letzter Stelle. So lautet der Befund der Bertelsmann Stiftung im Länderreport „Frühkindliche Bildungssysteme 2013“. Die Hamburger Wohlfahrtsverbände halten selbst das von der Bertelsmann Stiftung ermittelte Verhältnis von 1 zu 5,2 im Krippenbereich (Durchschnitt Westdeutschland 1:3,7) für unrealistisch; eigene Berechnungen kommen zu einer Fachkraft-Kind-Relation von 1 zu 7,6. Veröffentlicht am 27. Juni 2014

Studie aufrufen:

Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung in der Freien Hansestadt Hamburg



Aufgenommen: 20.12.2014